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Black

Offline Evenflow

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Antwort #15 am: 29. Dezember 2002 um 16:59
Naja, würde Black als die beste Ballade von PJ bezeichnen! Der beste Song auf der Ten is meiner Meinug nach "Even Flow" (wen wunderts...  ;) ;) ;) )
Aber Black ist schon der HAmmer, vor allem auch textlich!
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Offline RoBSoN

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Antwort #16 am: 29. September 2003 um 21:22
Naja, würde Black als die beste Ballade von PJ bezeichnen! Der beste Song auf der Ten is meiner Meinug nach "Even Flow" (wen wunderts...  ;) ;) ;) )
Aber Black ist schon der HAmmer, vor allem auch textlich!

jo ich hab mir das auch grade mal gründlich durchgelesen und der song geht schoon sseeeeeeehr unter die haut,ich finde black ist mit bettermen und crazy mary die beste ballade von pj
Don't - tell me what I wanna hear
Afraid of never knowing fear
Experience anything you need
I'll keep fighting jealousy
'til it's fucking gone


Offline JamSession

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Antwort #17 am: 30. September 2003 um 20:31
Dem kann ich nur zu stimmen ausserdem mag meine freundinn nur durch black Pearl Jam naja und DTE!!
Was eigenartig ist obwohl der Song eher traurig ist fühl ich mich jedesmal klasse wenn ich den Song gehört habe!!!
Der Song passt auch bei mir immer zu jeder gemütsstimmung!!!
Admire me, admire my home
Admire my song, admire my clothes
'Cause we know, appetite for a nightly feast
Those ignorant Indians got nothin' on me
Nothin', why?


Hajü

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Antwort #18 am: 04. März 2004 um 02:35
Hallo

Eines der schönsten Liebeslieder, die ich kenne. Da stehen einem sämtliche Haare senkrecht. Erschütternd...

H.

Gast


Offline eduardo

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Antwort #19 am: 04. März 2004 um 09:36
Eine von meine Lieblings Lied von PJ!!! wunderschönes Lied! es bedeutet viel für mich!  ;)

was denkt ihr über diese "Verse":

"all  the  love  gone  bad , turned  my  world  to  black"

ich glaube Ed sagt:

"all  the  love  gone  mad, turned  my  world  to  black"

Ich glaube er manchmal in Konzerten sängt MAD.

"I know someday you´ll have a beautiful ife, I know you´ll be a fucking star..." (ich kann nicht jetzt erinnern an welche Konzert letztes jahr das Ed sängt... :P)

Aber für mich in Moment das beste BLACK version ist Boston 1994, unglaublich!


[Dateianhang durch Admin gelöscht - zu alt]
"I ain´t me, I ain´t me, I am the fortunate son!"


Hajü

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Antwort #20 am: 10. März 2004 um 20:05
Ihr werdet sagen, ich trage zu dick auf. Aber für mich ist es, als ob Gott, der das garantiert nicht oft tut, selbst singt. Das ist nicht Ed mit seiner aussergewöhnlichen Stimme. Der bewegt gleichsam nur die Lippen dazu. Ich weiss nicht, wie ich es sagen soll. Vielleicht so: Wenn aus dem reinen Schmerz so etwas Schönes gelingen kann, dann ist doch Vieles gerechtfertigt.

Ich kenne auch nicht viele Versionen davon. Aber ich denke, die Fassung von „Live On Two Legs“ ist es. Das kommt fast aus der Stille, schwillt zweimal ganz mächtig an. In der Mitte ist eine Art Zäsur, wo es an einer Stelle so ruhig wird, dass man hören kann, wie im Publikum jedes Wort mitgesungen wird…. „Tatooed everyday“.
Die Schlussverse singt der Sänger gegen oder durch die Töne des beginnenden Gitarrensolos, Gitarrenspektakels hindurch, so dass sie fast nicht oder nur schwer zu verstehen sind. Am Ende geht die eine Gitarre über in so eine Art langen Heulton, bevor es gleichsam verebbt. Am Schluss des Gesangs spricht er sie an, die ihn wohl nicht hören kann. Die Gitarre versucht den Widerstand des Schmerzes darzustellen – ganz und garnicht perfekt, aber das muss so sein. Der Schluss ist als ob etwas vergeht.

Ich kann es nicht oft hören. Es klingt mir immer irgendwie stundenlang im Ohr nach, obwohl ich ehrlich gesagt keinen Ton davon nachsingen könnte. Diese Art der Schönheit ist kein bisschen sentimental oder rührselig. Aber trotzdem trifft einen das, ist das manchmal schwer zu ertragen. Ich rette mich dann in die „Vision einer Currywurst“. Denn das ist auch depressive Musik.

Warum trifft einen ein Song? – Warum interessiert einen ein Text? ....

Dann will ich mir den doch mal genauer angucken, jedenfalls den Text zu beschreiben versuchen. Ich denke es bleiben genug „Rätsel“ übrig. Denn das weiss ich, den kann man einfach nicht demontieren.

Nach dem, was ich bis jetzt verstanden habe, hat der Text noch nicht mal eine so globale Aussage, wie zum Beispiel „Even Flow“. Aber gucken wir erst mal. Meist wird man ja erst bei dem „Prozess“ fündig.

Ich finde es immer sehr schwer, die Texte vom Hören her zu verstehen – meine Englischkenntnisse reichen da einfach nicht aus. Was ich zuerst verstanden habe, war „bitter hand“. Ich glaube das nennt man Chiffre seit Ingeborg Bachmann. Allerdings möchte ich, wenn ich diese Hand oder Hände vor mir sehe, nicht das skrupulöse Gesicht von dieser Künstlerin vor mir sehen. Ich möchte kraftvolle Hände sehen. Vielleicht fliegt jemandem beim Surfen das Gerüst von so einem Text zu. Heute sind die Begriffe Werk und Autor eigentlich umstritten. Textgrenzen lösen sich auf. Vielfach wird nur noch nach dem Discours gefragt. Dieser Text – egal, wo man sich bedient hat, hat Vitalität.
Mit dem Text beschäftige ich mich schon länger, komme zur Zeit einfach nicht dazu. Das hat aber dazu geführt, dass ich den Anfang des Textes wieder mal sehr gut nachempfinden kann. Das weisse Blatt wird zur Bedrohung. Alles will zur selben Zeit raus. Erzählen kann man es schon erst recht niemand, weil es einfach nicht gelingt. Aber ich bin ja kein Künstler.

Fangen wir deshalb einfach in der Mitte an mit diesem „Outside“ nach dem ersten Abebben.

Die erste Strophe spielt also innen – in einem Haus oder einer Wohnung, die zweite draussen.

sheets of empty canvas,untouched sheets of clay
were spread out before me, as her body once did

Bedeutet etwa: Leinentücher, die leer waren und unberührte Stücke von Ton
Waren vor mir ausgebreitet, wie es einst ihr Körper war.

Hier fängt kein Ich an zu erzählen und stellt sich eitel und übermütig voran wie in Lightyears, Subjekt sind das Leinen und der Ton. Die Zeitform ist Past Tense Passiv. Hier entsteht so ein Effekt von Bedrohlichkeit. Sicherlich hat der Erzähler selbst diese Dinge einige Zeit vorher hingelegt, aber dann haben sie irgendwann mal Eigenleben bekommen, bedrohen sie ihn, der ihnen gegenübersitzt. Die Bedrohlichkeit liegt in dem leer und dem unberührt. Das ist das Milieu des Innenraumes, in dem er sitzt – oder sass. Wichtig: Es tauchen zwei Schichten der Vergangenheit schon in den ersten beiden Zeilen auf. Seit einem Zeitpunkt lagen diese Dinge da, deren Objekt er geworden zu sein schien, und dann gab es einen ganz anderen Zeitpunkt, ab dem er in dieser Befindlichkeit in dem Milieu sass. Und dann kann es ab dem Punkt schon oder noch so erscheinen, als ob das alles – so wie wir es alle von Prosa oder von Balladen her kennen – erzählte Gegenwart ist.
Das Ich sitzt irgendwo an seinem Schreibtisch und erinnert sich, verlebendigt Erinnerungen.
Das Wichtigste des Textes, die weibliche Person, um die es geht, wird in Form eines Vergleiches eingeführt:
„as her body once did“

Die Attribute des Tons und der Leinwand – zumindest im Sinne von “untouched” lassen sich auf die weibliche Person übertragen. Der Vergleich ist also teils stringent. Mit dem empty kommt allerdings ein etwas seltsamer Ton rein, wenn man überträgt. Leerer Körper? Aber ich glaube, das ist wiederum ein ganz wichtiges Mittel des Textes. Behalten wir es im Auge.

Das „once“ in dem Vergleich deutet schon gleichsam voraus, dass das Ich, das hier erzählt verlassen worden ist.

Die ersten beiden Zeilen sind schon äusserst vielschichtig. Ich erkläre mal, wie ich das verstehe – und begründe das. Der Text selbst führt ja das Motiv weiter durch.

Bleiben wir bei ihr: Dies Einführen der weiblichen Person als „Body“ evoziert auf der einen Ebene natürlich was von verwegenen erotischen Spielen – Sexualität.


Ton und Leinwand, mit der sie hier gleichgesetzt wird, sind die Attribute des Künstlers. Dabei klingt immer mit, dass Gott den Menschen aus Lehm gemacht hat. Damit ist schon die Schöpferideologie in dem Bild von Ton und Leinwand impliziert. Der Künstler als Schöpfer. Er arbeitet in Analogie zu Gott. Ein Diskurs, den es seit Nieztsches Zeiten gibt.

Die eine Aussage ist also: Kunstproduktion und Sexualtiät schöpfen aus derselben Quelle – unserer Triebe. Das wissen wir seit Freud. Schön, das hier wiederzufinden.

Ganz offensichtlich hat es an einem Punkt in dieser erzählten Vergangenheit ein Funktionieren dieser Lebens-Konstruktion gegeben. Da entstanden Bilder auf dieser Leinwand, wurden Zeichen in diese Tontafeln geritzt oder Plastiken geschaffen und es gab eine Liebe und Sexualität, die erfüllt war, schien.  Eine beglückende Naivität. Aber ist das ich, das hier erzählt, ist in eine schöpferischen Krise gestürzt worden. Der Anfang ist sicherlich immer das Bedrückendste.
Deshalb heisst es empty und untouched.

Auf einer zweiten Ebene hat der Gebrauch von empty in Bezug auf Body und dann noch in Relation zu den Leinentüchern, mit denen der Text anfängt etwas von: Hier wird ein toter Körper in Leinen eingehüllt. Der Anspruch klingt an, dass dieser Schaffende den Körper dieser Frau erst beseelt durch seine schöpferische Kraft. Hört sich für uns vermessen an. Das Thema schwingt auch in den Zeilen mit:

and all i taught her was everything
I know she gave me all that she wore

Er ist der Lehrende, sie gab ihm alles was sie trug. Zuerst denkt man natürlich an die Kleidung, dann aber auch an ihre Sorgen und Nöte. Everything und all zeigt, dass es gegenseiteige vollständige Hingabe war. Aber dieses – Ich lehrte sie alles (was ich wusste, was ich bin, was ich mache), das ist schon eine ganz heftige Forderung, lässt einen stutzen. Das wirkt auf der einen Ebene so, als bestehe dieser Mann da auf seiner Überlegenheit – gegenüber einem an sich unbeseelten Wesen. Ich denke da an Weingarten, der die Frau um die Jahrhundertwende als vom Mann zu beseelendes Wesen zu zeigen versucht hat.
Aber in dem Text geht es nicht um die Ursache des Scheiterns der Beziehung. Es wird sogar garnicht klar, wer wen verlassen hat. Es geht auch nicht um Emanzipationsfragen. Vielleicht war die Dame viel jünger, so dass sich so etwas eingeschliffen hat, vielleicht war sie zu Anfang wirklich untouched. Das mag alles alles mitschwingen.

now the air i tasted and breathed, has taken a turn

und das ist parallel:

the love gone bad turn

(Turn erinnert an die Seglersprache in Tremor Christ)
sind die einzigen Erklärungen, die dies erzählende ich „bewusst“ abgibt. Die Liebe hat eine schlechte Wendung gemacht. Hier wird nicht herumgegrübelt, warum das so war. Das Ende der Beziehung ist klar und steht fest. Vielleicht heisst das: diese Art der Liebe ist nicht lebbar.

Meine Hypothese ist: Dieser Kerl, der hier fix und fertig vor seiner leeren Leinwand sitzt und nichts drauf bekommt ist durch und durch Künstler. Er hat sich dazu entschieden, entscheiden müssen, die ganze Welt als Steinbruch für seine Kunst zu benutzen, natürlich auch die Menschen, natürlich auch seine Liebe. Der kann garnicht anders. Deshalb erscheint ihm auch das vielleicht verwegene erotische Spiel als Schöpfungsakt. Muss man erst mal ertragen können. Aber da will ich nicht zu weit gehen. Die Liebe hat eine schlechte Wendung gemacht.

Natürlich ist auch das Leinerne und der Ton nur Metapher. Vielleicht bekommen wir noch mehr heraus, vielleicht entwickelt sich hier wieder jemand.
Auf jeden Fall ist das ich, wie es bis jetzt erscheint der Prototyp des modernen Künstlers.

Zur Illustration:

Ich tu das jetzt rein, mache morgen weiter.


Hajü

Gast





Hajü

  • Gast
Antwort #21 am: 11. März 2004 um 01:21
Hallo

Ich hätte das nicht so überstürzt reinstellen sollen. Aber neben mir stand mein Freund, der mich zum Stammtisch abholte. Aber so geht das hier wenigstens weiter. Der Mann, der um die Jahrhundertwende versucht hat, zu beweisen, dass die Frau keine Seele hat, hiess natürlich Weininger.  Nur diesen Textsplitter konnte ich jetzt finden:

Die Veröffentlichung des Reigen, der deutlich Schnitzlers Rezeption der Schriften Richard von Krafft-Ebings und Otto Weiningers (Geschlecht und Charakter, 1903) reflektiert, geriet zum Skandal: Das Stück galt als „pornographisch” und zog zahlreiche Prozesse nach sich; es konnte erst 1920 uraufgeführt werden, wobei es zu organisierten Schlägereien im Theater kam
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Aber wie gesagt, das Weininger-Thema spielt wohl eine ganz untergeordnete Rolle, schwingt nur so mit. Es geht um den Künstler, der seine Kunst über alles stellt, zum Wichtigsten der Welt erklärt.

Als Beispiel wird da immer der Autor Gustave Flaubert und sein asketisches Leben für die Produktion moderner Kunst herangezogen. Auch deutlich bei Marcel Proust mit seinem mit Kork ausgekleideten Zimmer.  bei Über Thomas Mann gibt es auch so Berichte, wie er Menschen und Situationen belauert hat, um sie dann literarisch verarbeiten zu können. Das Leben als - möglicherweise wertloser - Steinbruch der Kunst. In extremo hiess die Definition der Avantgarde "Kunst für die Kunst".

Eines der Hauptthemen der damaligen Ästhetikdebatten war das Verhältnis von Kunst und Leben. Hier gab es verschiedenste Versuche, das vitalistisch formulierte Problem zu lösen.

Ein Begriff aus dem Zusammenhang dieses vitalistischen Diskurses könnte vielleicht das, was wir von dem Text bisher gesehen haben, illustrieren. Das Leben wird für die Kunst mortifiziert. "Mortifizieren". Zu Tode bringen. Daher auch die Anklänge an Leinenbinden, mit denen der Körper eingewickelt wird. Also: es klafft eine Lücke zwischen dem Leben, und der Wahrnehmung eines anderen Menschen, als eines quasi toten Gegenstandes, der mit Schöpferkraft beseelt werden soll. (her body). Ich ordne das Problem jetzt nicht weiter ein. Das Mädchen, die Frau wird es auf jeden Fall schwer haben in Gegenwart dieses Künstlers, der seine Kunst so ernst nimmt. Sicherlich dürfen wir auch den Anklang an den erotischen Rausch nicht vergessen. Im her klingt doch schon an, dass es über dem Körper für diesen Künstler noch eine weitere Instanz der Person gibt. Aber man denke nochmals an das empty.
Möglicherweise fühlte sie sich zu Tode geliebt.
Aber noch mals: Es geht hier nicht um das Grübeln, warum, und wie das vielleicht wieder rückgängig gemacht werden könnte. Es ist Schluss. Eine Tatsache. Die Liebe machte eine schlechte Wende. Damit steht schon mal die Liebe als ganz grosse Macht im Raum. Vielleicht hat sie auch dieselbe Quelle wie Kunstproduktion und Sexualität - schauen wir mal, was der Text dazu sagt.

Jetzt noch zur Schreibhemmung, Produktionshemmung, mit der ich meine Interpretation angefangen habe. Dies ist ganz und gar kein trivialer Text. Als Beipiel könnte man Uwe Johnson in England heranziehen. Oder am allerbesten:

Steven King hat (trivial aber doch toll) in Shining auch eine Künstlertragödie dargestellt. Als die Frau der Hauptperson herausfindet, dass er immer nur den selben Satz zu Papier gebracht hat.... Obwohl er ideale Schreibbedingungen hatte. Schreibhemmung. Produktionshemmung, Blockade.
Das Ich dieses Textes sitzt vor leerer Leinwand und vor Ton, er müsste produzieren, kann aber offensichtlich nicht.
The bad Turn hat ihn in eine Schaffenskrise gestürzt. Damit beginnt der Song.

es geht weiter

H.

Gast


Hajü

  • Gast
Antwort #22 am: 11. März 2004 um 02:14
Hallo

Nachtrag zu erstem Teil: Body ist natürlich kein Beweis für erotische Spiele, aber dies: ihr Körper war einst wie diese Dinge vor mir ausgebreitet. Hätte oben besser zitieren sollen. "as her body once did".  Gegenüber dem Passiv der ersten Zeile - wirkt das mit dem did so, als ob der Körper Eigenleben geführt hätte. Deutet wiederum die Leidenschaft an. Das ist schon ganz ganz toll gemacht. - Höchste Kompression!!!

H.

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Hajü

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Antwort #23 am: 11. März 2004 um 13:03
@mindcrime!!!!!

Ich hab mir das eben noch mal durchgelesen. Ich glaube ich wäre verdammt froh, wenn Du mir - aber erst, wenn ich fertig bin - wieder über den Weg laufen würdest.  Ich hab das genau vor Augen, aber es ist schwierig zu "Papier zu bringen". Und dann noch die Textunsicherheiten über die man hier schreibt.  Daher - wenn ich fertig bin.

Will versuchen, das in den nächsten paar Tagen abzuschliessen.

Grüsse

H.

Gast



Offline Mindcrime

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Antwort #24 am: 12. März 2004 um 09:20
@mindcrime!!!!!

Autsch! Schrei doch nicht so... ich bin zwar alt, aber nicht schwerhörig!  ;D  ;)


Ich hab mir das eben noch mal durchgelesen. Ich glaube ich wäre verdammt froh, wenn Du mir - aber erst, wenn ich fertig bin - wieder über den Weg laufen würdest.  Ich hab das genau vor Augen, aber es ist schwierig zu "Papier zu bringen". Und dann noch die Textunsicherheiten über die man hier schreibt.  Daher - wenn ich fertig bin.

Will versuchen, das in den nächsten paar Tagen abzuschliessen.

Hm, ein neues Duell (oder Duett?) auf der Ponderosa? Warum nicht?  :)

Laß dir Zeit, ich kann warten! Bin momentan auch nicht gerade reich mit Freizeit gesegnet, von daher...

Ich bin gespannt!  8)
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Hajü

  • Gast
Antwort #25 am: 12. März 2004 um 13:19
@mindcrime   !  

 ;D

o.k.

H.

Gast


Hajü

  • Gast
Antwort #26 am: 12. März 2004 um 19:40
Hallo

Das Problem muss ich mir erst mal vom Hals schaffen:

Auch der Redlichkeit halber:

Das ist der Text, auf den ich mich erst mal beziehe. Kommt mir ungleich raffinierter und besser vor, als mit „Soul“, „Souls“ statt „Sun“. Oder „mad“ statt „bad“.  Ich halte mich erst mal – auch aus pragmatischen Gründen an die Version.

......

Ich habe gerade mal gehört. Auf Ten hat „Black“ genau den Text. Ausser möglicherweise in “were spread out before me”. Da könnte noch ein lay oder ein anderes Wort vor spread stehen. Könnte aber auch ein Adverb sein.

In dem zweiten Teil der ersten Strophe ist „bitter hand“ Singular, später wird es im Refrain als Plural verwendet. Das ist also korrekt für die Version auf „Ten“.  Hier stand im zweiten Teil des Textes „surronded“. Habe ich als Rechtschreibfehler angenommen.

Das ist ein „lebender“ Text, der immer wieder auf Konzerten vorgetragen wird. Variationen wird es geben. Erst mal bleibe ich also bei dem drunter stehenden Text.

Jetzt zu der Version, die ich am Anfang meines Beitrags angeführt habe: Hier wird offensichtlich beide Male „bitter hands“  gesungen. Am Schluss singt er nur zwei mal dies „why“. Das „but” scheint zu fehlen. Ansonsten ist der Text offensichtlich identisch. Die Unterschiede sind marginal. „Soul“ statt „sun“ im ersten Teil wäre allerdings schon ein Problem für meine Interpretation.

Und noch was der Redlichkeit halber. Um mich nicht zu sehr beeinflussen zu lassen, habe ich mir die obige Debatte nur ganz flüchtig angeguckt. Seid nicht böse, wenn ich scheinbar etwas wiederhole. Hole ich nach.

Black

Black Lyrics

sheets of empty canvas, untouched sheets of clay
were spread out before me, as her body once did
all five horizones revolved around the sun
as the earth to the sun
now the air I tasted and breathed, has taken a turn

and all I taught her was everything
I know she gave me all that she wore
and now my bitter hand chafe beneathe the clouds
of what was everything, all the pictures have all been washed in black
tattooed everyday

I'll take a walk outside, I´m surrounded by some kids that play
I can feel their laughter so what do I sear
and twisted thoughts that spin round my head
im spinning im spinning how quick the sun can drop away

and now my bitter hands lay on broken glass
of what was everything, all the pictures have all been washed in black
tatooed everyday, the love gone bad turn my world to black tatooed all I see,
all that i am, all I'll ever be...yeah...

I know someday you'll have a beautifull life i know you'll be a star
in somebody elses sky but why why why can't it be, can't it be mine

Jetzt muss ich mir als zweites erst mal – auch aus den pragmatischen Gründen – die Tragödie des modernen Künstlers vom Halse schaffen. (Neben dem ganzen "Literaturbefrachteten"). Sonst denkt noch jeder, das geht uns hier nichts an. Dabei spricht einen der Song doch gewaltig an. Denn Verluste haben wir alle erfahren, mehr als uns lieb ist.
Für dieses Künstlerthema habe ich die Anfangszeilen der obigen Strophenunterteilung zitiert, in denen das Ich, der Sprechende zurückblickt, erinnert, darstellt, wie die Beziehung, dies Leben zu zweit gewesen ist. Ich habe das meine Hypothese genannt. Dann müsste es "am Text" noch bewiesen werden.
Dieser Sprecher, das Ich geht eindeutig und endgültig davon aus, dass Schluss mit der Beziehung ist. Es spekuliert nicht über Ursachen des Scheiterns. – Wie schon mehrfach gesagt. Ich glaube allerdings nicht, dass ich den Text für meine Hypothese gegen den Strich interpretiere. Denn in so einem Text steht nichts zufällig. Alles hat seine Funktion.

Also gucken wir erst mal nach dem Zeitgebrauch in Teil 1 und 2 des Liedes. Dann versuchen wir anzufangen, die Metaphern und Bilder zu betrachten, untersuchen. Ich glaube, damit geht es über in das eine Hauptthema des Songs: Verlust und Schmerz. In der Hauptsache wird dies natürlich von der Musik „insceniert“ und „transportiert“. Aber der Text steht da garnicht zurück.

Muss erst mal wieder Schluss machen. Die wollen hier wieder was. Versuche nachher noch weiter zu machen.

H.

Gast


Hajü

  • Gast
Antwort #27 am: 15. März 2004 um 13:12
Gebrauch der Zeit in Black


Bei dem Vortrag in „Live On Two Legs“ kann man ganz gut hören, dass der Song eigentlich  zwei Teile hat. In der Mitte ist sogar Jubeln aus dem Publikum hörbar. Der erste Teil des Songs spielt in einem Raum, der zweite Teil stellt einen Spaziergang dar, „a walk outside“. Das Wort „inside“ wird (bei dieser hohen Steigerung und Verdichtung) natürlich nicht gebraucht.

In „Tremor Christ“ war der Ort des „Geschehens“ quasi nur fragmentarisch vorhanden – als Meer. Schon in der letzten Zeile der ersten Strophe war das Balladenschema (Erzählgedicht) durchbrochen worden. …. das Meer, das im Rhythmus, Gebrauch des Refrains und in der Meermetaphorik anwesend war. (Auch Seglersprache, Surfersprache: Turn…) Aber als Ort und Schauplatz einer Handlung kann ich es in dem Text in keiner Weise identifizieren.

Für diesen Text hier kann man eine relative Einheitlichkeit der beiden „Orte“, Schauplätze des Geschehens annehmen. Dieser Rahmen wird nicht durchbrochen. Das wäre ein Indiz dafür, dasss es sich um eine Ballade handelt. Den Balladenbegriff habe ich in Zusammenhang mit  „Black“ schon gehört. Aber ich glaube, das ist der Begriff aus der Musikindustrie, wo jeder einigermassen „getragen“ wirkende Song so bezeichnet wird.

Aber Handlung, Konflikte, Dramatik kann ich in „Black“ nicht erkennen. Vielleicht kommt „Crazy Mary“ – auch vom Vortrag her einer Ballade (im anderen Sprachgebrauch) sehr nahe. Eine ganz schön raffinierte Ballade. Das hier ist allerdings kein Erzählgedicht, keine Ballade – wegen mangelnder äusserer Dramatik. Die Handlung ist abgeschlossen. Es ist Schluss mit der Beziehung.

Dieser Song hier geht ab der Zäsur – mal abgesehen von den beiden Refrains – quasi in Echtzeit über. Ab hier gibt es nur noch Present Tense. Ab hier wird das Geschehen zeitdeckend berichtet. Erzählzeit und Erzählte Zeit fallen zusammen. Damit scheidet dieses sogenannte allwissende ich aus, das als Erzähler irgendwo am Schreibtisch sitzt und Vergangenheit, Erinnerungen zu verlebendigen versucht, wie wir es von Prosa, von Memoiren, von Erlebnis-Berichten her kennen. Die werden in der Regel im Past Tense geschrieben. Der Leser liest, erlebt es als Present Tense. So macht der Memoirenschreiber sich quasi eine Vorstellung davon, wie er als Kind oder in der und der Situation war. Er schafft sich dieses Ich. Ich behaupte das mal einfach: In Memoiren wird viel gelogen und zu Recht gebogen. Oder anders gesagt: Es ist schwer, wahrhaftig zu sein. Das Ende färbt den Anfang.
 
Nun kennen wir dieses Verwenden des Präsens, der Gegenwart auch als Mittel, Spannung zu erzeugen, dramatisch zu sein. Auch das scheidet hier aus. Denn was soll spannend gemacht werden? Ein Spaziergang, den jemand unternimmt, um sich abzulenken?

Nein. Dieser „Trick“ hat hier nichts anderes zu bedeuten, als das das Ende im allerbesten Falle offen ist. Der Sprecher, das Ich des Textes ist genau an dem Punkt, von dem es aus spricht. Es weiss wirklich nicht, wie es weiter geht. Hier ist keine Perspektive gegeben, die in eine vielleicht hoffnungsvolle Zukunft führt. Der Memoirenschreiber wüsste, „obwohl ich da einen Tiefpunkt hatte, bin ich doch noch so toll geworden“.

Dies ich, dieser Sprecher hier kann „nicht mehr über den Zaun gucken“. Wenn er behauptet, es geht nicht weiter, dann hat das allerhöchstes Gewicht. Man muss ihm glauben.
Auch wenn das hier etwas kompliziert und auch teilweise illegitim vereinfachend beschrieben ist, verstehen, (anwenden, identifizieren, (darauf reagieren)) tun wir so etwas alle.

Ich hatte das schon angedeutet: In dem ersten Teil findet das Geschehen auf mehreren „Stufen“ der Vergangenheit statt. Im Imperfekt wird berichtet, dass das Ich vor den Ingredienzien seines Milieus (Atelier) sass. Zu dem Zeitpunkt war es aber schon verlassen worden („as her body once did“). Muss also vorher passiert sein. Der Zeitpunkt des Berichtens ist also noch ein dritter. Das ist schon „zeitlich“ ganz schön verschachtelt. Dann kommt das erste Bild, die erste Metapher, die auch im Past Tense eingeführt wird. Ist also auch schon vergangen. Dann wird zum ersten mal „now“, das Wort für die Gegenwart gebraucht, der Text geht aber gleich wieder in das Past Tense über. „Has taken a turn“ stellt also einen Zustand der Gegenwart dar. So ist es jetzt. (oder auch – so ist es für immer?)

Worauf ich also mit „der langen Rede“ hinaus will: Es gibt mehrere – oder zumindest zwei Möglichkeiten, den ersten Teil zu verstehen, zu interpretieren.

Denn dieses „revolved“ lässt mich stutzen. Ist das eigentlich ein positiver Begriff, ein positiv besetztes Verb?
Tut mir leid, ich sehe dabei auch schon einen Trommelrevolver vor mir. Aber so einfach ist das auch wiederum nicht. Auf jeden Fall ergeben sich daraus Zweifel, auf welcher Zeitlichen Ebene der Vergangenheit das ungeheuerliche Bild, die Metapher

“all five horizones revolved around the sun”

zu positionieren ist. Ganz klar: das muss der zeitlichen Ebene der scheinbar funktionierenden Zweierbeziehung zugeordnet werden. … als die Liebe beiderseitig war. Aber wenn revolved wirklich nicht eindeutig positiv ist?...

Aber deutlicher ist noch der Zweifel über die zeitliche Einordnung der folgenden Zeile:

now the air i tasted and breathed, has taken a turn

“has taken a turn” hatte ich als Beschreibung eines Zustandes angenommen. Aber welche Luft ist gemeint? (Ist dem Ich die Luft ganz genommen? Oder spricht doch ein kleines bisschen Hoffnung daraus?)

Zumindest bekommt man hier die Möglichkeit zu verstehen, dass es wiederum eine Wende gegeben hat. Dadurch bekommt für mich dieser ganze erste Teil auch die Möglichkeit, als Trauerarbeit betrachtet zu werden. Das Ich denkt, die Trauerarbeit ist vielleicht abgeschlossen und macht einen Versuch, ein Experiment. Hatten ihn vorher die Dinge in seinem Milieu bedrängt und bedrückt, wird er sicherlich draussen eine Befreiung erfahren.  
Wie gesagt, eine Möglichkeit zu verstehen. Auf der Folie bekommt dann der Übergang in das zeitdeckende Sprechen eine Wirkung der absoluten Erschütterung. (Wie gesagt, die eine Möglichkeit, zu verstehen.)

“I'll take a walk outside, im surrounded by some kids that play”

Vom Vorsatz geht es direkt über in das draussen. Gesagt – getan. Die Situation, in der das Ich dann ist, ist die denkbar harmloseste, heiterste.

Erschütternd.


Kreisbewegungen und Bilder

Das Ich im Innenraum vor den Attributen, die es zur Arbeit auffordern, die nicht gemacht werden kann, hat das ungeheurerlichste Bild vor Augen. Der beengende Raum des ersten Schauplatzes steht in Kontrast zur „Weltallmethaphorik“, wie wir sie schon aus „Light Years“ kennen. Ein Bild, in denen Planeten die Sonne umkreisen. Ein Bild allerhöchster Ordnung.

Muss erst mal wieder unterbrechen. Wenn es so weiter geht, muss ich noch jemanden bitten, mir beim „Redigieren“ zu helfen, denn ich kann ja hier nichts ändern. Hoffentlich behalte ich den Faden.
Versuche heute wirklich noch weiter zu machen.


H.

Gast


Hajü

  • Gast
Antwort #28 am: 16. März 2004 um 04:45
Hallo

Meinen Physikkenntnissen nach bewegen sich die Planeten auf einer Kreisbahn, die resultiert aus dem genauen Gleichgewicht der Zentripetal- und Zentrifugalkraft. Beschleunigung und Geschwindigkeit spielt eine Rolle dabei. Ein Gleichgewichtszustand, der ohne Reibung scheinbar ewig anhalten kann. Aber eigentlich trotzdem fragil. Irgendwann stürzen Sateliten ab, dann wird deutlich, dass Schwerelosigkeit aus grossen Kräften und hoher Geschwindigkeit gewonnen wurde. Auch Planeten und Sterne können wohl aus der Bahn geraten.

Hier handelt es sich um eine Metapher. Auch erkenntlich daran, dass eigentlich nicht zusammen Passendes, auch Kontingentes zusammengefügt ist. Statt der Planeten kreisen hier 5 Horizonte um den Stern Sonne. Halten wir fest, dass es sich um eine Kreisbewegung handelt. Ein Bild mit hoher Ordnung. Kein Chaos. Ich möchte das Bild aber gleich interpretieren, wenigstens zum Teil:  Ich schliesse mich der obigen Auffassung an, dass es sich hier um die 5 Sinnesorgane handelt, die in den Kontext Weltall, Welt gestellt werden. Zu dieser Textzeile gehört noch der Vergleich:

as the earth to the sun

Der stellt das Bild genau parallel zum ersten Vergleich des Liedes (Ton, Leinen, Body). Beim Vortrag wird der Vergleich Erde/Sonne mit der Horizonte/Sonne – Zeile ganz kurz zusammengezogen, verschwindet fast. Ich verstehe das so, dass die Majestät, das Wunderbare der ersten Metapher in diesem zweiten Vergleich des Textes herausgestrichen werden soll. (So wunderbar war der Zustand der Liebe wie die Kreisbahn der Erde um die Sonne.) Störend bleibt das „revolved“. Das hat noch eine andere Nebenbedeutung.
Das folgende
now the air i tasted and breathed, - denn hier geht es um Sinneswahrnehmung -

ist für mich der Beweis, dass mit den Horizonten die 5 Sinnesorgane des Menschen gemeint sind. Ich erkläre, wie ich das verstehe: Weiter unten wird es noch deutlicher.

Wir Menschen können die Welt nur über die 5 Sinnesorgane erfahren. (Mag es auch Messungen geben ausserhalb des Hörbereichs, mag es auch Werkzeuge geben, die uns weit in das Weltall sehen lassen usw.) Aber im Grunde ist doch nichts wahrzunehmen, was ausserhalb des Wahrnehmungsbereiches dieser Sinnesorgane ist. Am Beispiel eines Lebewesens, Insekts, das nur ein Organ hat, das Milchsäure wahrnehmen kann, macht ein bekannter Anthropologe das deutlich. Es lebt in einer Welt, die nur aus Milchsäure besteht.
Mit diesen Sinnesorganen und unserem begrenzten Verstand sind wir den Naturgesetzen unterworfen. So funktioniert unser Leben – mehr oder weniger. Scheinbar reicht es aus. Nun ist es durchaus denkbar und eigentlich logisch, dass die Welt, das All im Grunde viel viel komplexer ist. Man denke nur an den paranormalen Raum in „Crazy Mary“. Aber für uns nicht direkt wahrnehmbar oder abbildbar, höchsens in Symbolen. Das ist der eine Aspekt des Bildes. Nun könnten wir noch annehmen – und das ist wohl der Hauptgedanke, der darin steckt – dass jedes Sinnesorgan für sich eine Welt erschliesst, eine Welt der Düfte, eine Welt des Tastens, eine Welt des Sehens, die optisch gegeben ist – usw. mit jeweils einem eigenen Horizont. Dann wird es nötig, dass da Ordnung hineinkommt. Das muss koordiniert werden, eine hochgradig komplexe Aufgabe. Das Milchsäure wahrnehmende Insekt hat es da viel einfacher. Die Welt selbst – und das Ich, das hier spricht, ist also im Grunde in Ordnung, wenn es heisst:  

all five horizones revolved around the sun.



now the air i tasted and breathed, has taken a turn

zitiere ich noch mal und das hier gehört meiner Meinung nach dazu:

i can feel their laughter (so what do i sear)


Diese Art der Metaphorik ist das Recht der Lyrik. Hier werden der Sprache und wiederum der Welt Nuancen abgewonnen. Hier findet eine Bereicherung statt. Aber andererseits: Wenn Düfte getastet werden, und Gelächter gefühlt wird, dann sind wir in einem Bereich der Unordnung. Die Ordnung, wie sie im Bild der Horizonte, die um die Sonne kreisen, erschien, ist schon zerstört. Die Sinneswahrnehmungen, die Horizonte vermischen, durchmischen sich. Die erste Wahrnehmung (tasted air) könnte man noch so deuten: Ein erfahrener Segler könnte der Luftbeschaffenheit, dem Wind instinktmässig eine Vorhersage entlocken. Ist also nicht unbedingt negativ. Die Erinnerung und Erfahrung hat gleichsam einen Instinkt gebildet, der hier aber täuscht. Kann ein Instinkt täuschen? Tiere kämen mit solchen Instinkten nicht weit.

Die zweite zitierte Wahrnehmung (gefühltes Gelächter) bedeutet: Er guckt nicht hin, ignoriert die Kinder, es drängt sich ihm aber dennoch auf. Selbst wenn er sich noch die Ohren verstopfen würde, er könnte diesen Einflüssen nicht entgehen, die ihm so garnicht passen. Feel ist ja auch nicht nur auf Tastsinn bezogen, sondern auch Attribut der Seele, der „Gefühle“. Das Geräusch des Lachens der spielenden Kinder spiegelt sich in ihm auf eine komplexere Art wieder. Daran sind seine Affekte und sein angeschlagenes Ich beteiligt.

Diese beiden ähnlichen „lyrischen Figuren“ erinnern ein bisschen an das, was die Symbolisten gerne versucht haben. Farben hören war da ein wichtiges Ziel. Im Grunde ging es dabei um das lange gesuchte Gesamtkunstwerk. Aber hier soll mit dieser rhetorischen Figur gezeigt werden, dass die Ordnung, die es einmal gab, zerstört ist. Aber sie haben gleichwohl starke Wirkung.

Es handelt sich bei der ersten Weltallmetapher um eine Kreisbewegung. (Man sieht das ja regelrecht vor Augen.)

Im zweiten Teil tauchen weitere Bilder auf, die ähnlich sind. Kreisbewegungen. Da ist erst mal das „I´m surrounded by some Kids that play“. Das bereitet das eigentliche Bild mit der Kreisbewegung des zweiten Teils erst vor:

and twisted thoughts that spin round my head
I´m spinning I´m spinning how quick the sun can drop away

Für mich stehen diese beiden Konstruktionen Weltallvergleich und twisted Thoughts around also genau parallel. Die Weltallmetaphorik wird in den letzten beiden Zeilen des Textes wieder aufgenommen. Die gehören also auch dazu.
Nun ist die Sonne nicht mehr der Mittelpunkt, das Kraftzentrum der Konstruktion. Es ist der Kopf, der Verstand des Ich. Im Outside-Teil wird also die Kleinheit des Ich betont – gegenüber dem Kontrast Enge – Weltallmetapher in Teil 1 des Liedes.


so long

H.

Gast


Hajü

  • Gast
Antwort #29 am: 16. März 2004 um 05:06
Hallo

nur dies noch jetzt: Im Bild der Horizonte ist auch gleich die Begrenztheit mitgegeben. Über den Horizont kann man nicht hinausgucken, obwohl es dahinter weiter geht. Das gehört unbedingt zu dem obigen Argument

mache morgen weiter

H.
Gast